MORBUS CROHN
(Crohn
Erkrankung)
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Der Morbus Crohn wird auch als Crohn -, Ginsburg - oder Oppenheimer Kran kheit bezeichnet.
Die Ursachen für
einen Morbus Crohn sind bisher noch nicht geklärt. Es wird aber vermutet,
dass es sich um ein Zusammenspiel von erblichen, infektiösen, psychischen, vor
allem aber wahrscheinlich immunologischen Faktoren handelt.
Bezüglich einer infektiösen Ursache erschien am
15.7.03 in der Welt ein interessanter Artikel. Danach scheint ein Verwandter des
Tuberkulose-Erregers, das Mykobakterium avium paratuberculosis als Ursache für
den Morbus Crohn in Frage zu kommen. Die Erbsubstanz dieses Erregers wurde bei
rund 90% der Morbus Crohn-Patienten im Darm gefunden. Studien, bei denen Morbus
Crohn -Patienten mit
Antibiotika behandelt werden, sollen in Kürze Klarheit bringen, so ein
Mitarbeiter der chirurgischen Universitätsklinik in Heidelberg.
Beim Morbus Crohn handelt es sich um
eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die alle Abschnitte des
Magen -
Darm
-Traktes betreffen kann, am häufigsten das terminale Ileu
m
(= unteres Ende des Dünndarms)
(80%), in ca. 50% Kol
on
(= Dickdar
m) und terminales Ileu
m.
Fisteln
(= abnormer, röhrenförmiger
Gang, der von einem Hohlorgan ausgeht und an der Körperoberfläche mündet)
im
After
bereich sind in 40 Prozent der Fälle das
erste Anzeichen eines Morbus Crohn.
Meist tritt der Morbus Crohn im 20. bis 40. Lebensjahr erstmals auf. In Deutschland erkrankt einer von 1000 Einwohnern, mit steigender Tendenz. Männer und Frauen sind gleich häufig betroffen. Die Erkrankung ist bis heute nicht heilbar, man kann nur die Beschwerden lindern und üblicherweise anfallende Operationen hinauszögern bzw. verhindern.
Bei Bauchschmerzen aufgrund eines Morbus Crohn (Crohn Erkrankung) liegt ein sog. viszeraler Schmerz (= von den Eingeweide n ausgehender Schmerz) vor. Als Schmerzcharakter wird regelmäßig dumpf, wellenförmig und krampfartig angegeben.
Wichtigste Symptome bei Morbus Crohn (Crohn Erkrankung):
· Diarrhö (= Durchfall)
· Gewichtsverlust
· Fieber
Der Morbus Crohn kann aber auch außerhalb des Bauchraum es zu Beschwerden führen:
· Erythema nodosa (= knotige und entzündliche Verdickungen der Haut)
· Aphthen (= wunde Stellen an der Mund schleimhaut)
· Augenentzündungen
· Leberentzündung
Der Schweregrad des Morbus Crohn (Crohn -Erkrankung) wird mit Hilfe von Aktivitätsindizes beschrieben, am gebräuchlichsten ist der Aktivitätsindex nach Best (CDAI).
Verlaufsformen des Morbus Crohn: chronische Aktivität bei ca. 20%, intermittierende (= zeitweilig aussetzende) Aktivität bei ca. 35%, 5-10 Jahre nach Diagnosestellung eines Morbus Crohn sind ca. 45% klinisch (= die Krankheitszeichen, den Verlauf betreffend) inaktiv.
Komplikationen bei Morbus Crohn:
· toxisches Megakolon (= durch "Gift" bedingte abnorme Weitstellung des Dickdarms)
· Perforation (= Durchbruch in die Bauch höhle)
· Ileus (= Darmverschluss)
· Blutung
· Fisteln (= abnorme, röhrenförmige Gangbildung)
· Abszesse (= abgekapselte Eiteransammlungen)
· Strikturen (= hochgradige Einschnürung, Verwachsungen)
· Stenosen (= Verengungen)
· erhöhtes Karzinomrisiko (= Krebsrisiko).
Differentialdiagnosen (= was außer Morbus Crohn sonst noch an Krankheiten dahinterstecken könnten):
· Colitis ulcerosa (= geschwürige Schleimhautentzündung des Dickdarms),
· infektiöse Enteritiden (= ansteckende En tzündungen der Wand des Dünndarms),
· Strahlen enteritis (= strahlenbedingte En tzündungen der Wand des Dünndarms),
· ischämische Kolitis (= Schleimhauten tzündung des Dickdarms infolge einer Durchblutungsstörung) usw.
Der Krankheitsnachweis eines Morbus Crohn erfolgt histologisch (= Gewebsuntersuchung der Darmschleimhaut).
Therapie bei Morbus Crohn:
Formuladiät, parenterale
(= unter Umgehung des
Verdauungssystems) Ernährung,
medikamentös mit 5-Aminosalicylsäure, Kortikosteroiden, Metronidazol; eine
chirurgische Therapie ist bei ca. 90% der Patienten im Verlauf der Erkrankung
notwendig, z.B. Kolo
n- oder
Rektumresektion
(= Entfernung des
Dick- oder
Enddarm
s).
Die europäische Zulassungsbehörde hat mittlerweile den
Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-alpha)-Blocker Adalimumab (Humira®) zur
Behandlung des schweren Morbus Crohn zugelassen.
(http://www.ad-hoc-news.de/Marktberichte/de/12088875/Europische-Union-lsst-neues-Medikament-zur-Behandlung-des)
Schmerztherapie bei Morbus Crohn:
Eine sehr hilfreiche und effektive Therapiemethode ist die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) (als Oberbegriff).
· Die einfachste diesbezügliche Methode ist eine wiederholte (stationär 2 x täglich, auch an Wochenenden über 10-14 Tage) Triggerpunkt-Behandlung mit einem lang wirkenden örtliche Betäubungsmittel. Dabei werden schmerzhafte Reizpunkte am Bauch infiltriert, wodurch es über die entsprechende Head Zone (= eine über das zugehörige Rückenmarksegment laufende Querverbindung zu dem zugeordneten inneren Organ) zu einer Entkrampfung und Durchblutungssteigerung im zugehörigen Darmabschnitt kommt.
·
Als nächst höhere Behandlungsstufe ist
die kontinuierliche epidurale
(= rückenmarknahe)
Blockade mit Katheter* sehr
hilfreich.
Neben der erwünschten Unterbrechung der Schmerzreizleitung ist ein weiterer
nicht zu unterschätzender Vorteil, daß bei dieser Therapie, sozusagen als
Nebeneffekt, auch der Grenzstrang
(= paarige Nervenbahnen des unwillkürlichen
Nerven
systems neben der
Wirbelsäule) mit einbezogen wird, so daß es gleichzeitig zu einer erheblichen
Durchblutungssteigerung kommt, die jeder entzündlichen Schmerzursache
(so auch bei Morbus Crohn) kausal
(= auf die Ursache gerichtet)
entgegenwirkt.
Auch bei Verwachsungen ist die sympathikolytische
(= gefäßerweiternde und damit
durchblutungssteigernde) Nebenwirkung
hilfreich, indem die entstandenen, bradytrophen
(= mit vermindertem
Stoffwechsel einhergehenden)
Gewebsbereiche besser durchblutet werden und es dadurch zu einer Optimierung der
gestörten Mikrozirkulation kommt.
Nach einer schon älteren englischen Studie
konnten mit dieser Blockadebehandlung bei Morbus Crohn zu einem hohen
Prozentsatz die oben erwähnten chirurgischen Eingriffe wenn nicht gar vermieden,
so doch erheblich hinausgezögert werden.
Wirkung und Ausmaß einer lumbalen
(= den
Lenden
bereich betreffenden)
epiduralen Blockade kann individuell
mittels
Lokalanästhetikamenge
(= Betäubungsmittelmenge)
und -konzentration so gesteuert werden, daß die Schmerzreize aus dem gesamten Ba uchraum bei weitgehend erhaltener
Motorik (=
Muskel
kraft)
blockiert werden. Der Erhalt der Motorik hat den Vorteil, daß die Patienten sich
unter dieser Therapie weiter frei bewegen können.
* Bei der sog. kontinuierlichen epiduralen Blockade (= Betäubung) mit Katheter wird ein dünner Kunststoffschlauch vom Rücken her dicht an das Rückenmark eingepflanzt. Die Einpflanzung erfolgt durch eine spezielle Kanüle hindurch, es muß also nicht "aufgeschnitten" werden. In der Folge wird über diesen Katheter mehrmals täglich, jeweils nach Abklingen der vorangegangenen Dosis, das Lokalanästhetikum (= örtliches Betäubungsmittel) völlig schmerzlos nachgespritzt. In bestimmten Fällen kann zur Verabreichung des örtlichen Betäubungsmittels durch den Katheter hindurch auch eine kleine Pumpe angeschlossen werden. Bei technischer Beherrschung, adäquater Lokalanästhetika-Dosierung und Beachtung der hygienischen Belange kann das Behandlungsrisiko als vertretbar eingestuft werden.
Bei einem längerfristig bestehenden Morbus Crohn ist davon auszugehen, daß bereits ein Chronifizierungsgrad II oder III (Mainzer Stadieneinteilung) vorliegt. In diesen Fällen ist eine rein somatische (= körperliche) Behandlung kaum mehr ausreichend, sondern es müssen zusätzlich psychologisch /psychotherapeutische Interventionen erfolgen.
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Aktualisiert:>22.04.2008</>
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